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  • Melissa Froemel

Heilender Pollenflug

Es ist viel Schnee gefallen. Vor mir liegend ein Meer aus weißen Schneeflocken. Sanft fallen sie von oben und berühren meine nackte Haut. Ich spüre die Kälte jeder einzelnen Flocke. Es weht ein leichter Wind. Meine Füße berühren den Boden und langsam steigend bahnt sich die Kälte einen Weg hinauf. Wohin sie will, das weiß ich nicht. Doch ich beobachte sie, wie sie meinen Körper erklimmt. Diese eisige Kälte nun auch im Innern. Selbst der Hauch meines Atems ist nicht mehr sichtbar im Außen. Ich bin Eins mit der Kälte geworden. Sie fühlt sich ganz starr und eng an. Nun bin ich ebenfalls eine Schneeflocke und falle sanft zu Boden. Es ist so still um mich herum. Selbst in meinem Innern herrscht weites Nichts. Ich kann mich nicht mehr bewegen, kann weder denken noch fühlen. Für eine sehr lange Zeit.

Doch eines Morgens spüre ich zaghafte Wärme auf der Oberfläche meiner Haut. Sie wird stärker und stärker und ich beginne Freude im Herzen zu fühlen. Die Sonne lässt die Kälte gehen und taut mit ihr all meine Emotionen wieder auf. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffne ich meine Augen und blicke um mich herum. Ich sehe Blumen, in vielen verschiedenen Farben und ich riechen ihren Duft. Er ist süßlich und entfaltet die Lebensfreude in mir. Ich setze mich auf mit einem tiefen Lächeln im Gesicht. Diese Ruhe. Diese Zuversicht. Dieses Vertrauen, das alles Gut wird. Verankert in meinen Knochen. Nun weiß ich, dass selbst die kälteste Kälte mir nicht die Lebensfreude nehmen wird. Sie mag mich Leer und Starr fühlen lassen, doch das Feuer in mir wird weiter lodern.

Wenn die Kälte wieder um Einlass fragt, werde ich sie bitten Platz zu nehmen an meinem Kamin. Sie darf sich wärmen und sich zu Wasser formen. Dieses Wasser führe ich an meine Lippen und während ich es trinke, stelle ich mir vor, ich wäre eine Blume, die mit diesem Wasser ihre Knospe öffnet, um sie der ganzen Welt zu zeigen. Sie ist orange und duftet nach heißer Milch mit Zimt. Neben dieser gerade entfalteten Knospe liegst du in der starren Kälte gefangen. Mit einem leeren Blick schaust du mich an und deine Seele schreit nach Hilfe. Gemeinsam mit Mutter Erde, nehme ich all meine Kraft zusammen und schicke leise Pollen auf den Weg zu dir. Diese lassen sich auf deinem Körper nieder und schenken der lodernden Flamme in dir Lebensfreude. Du nimmst einen großen Atemzug. So groß, dass sich deine Lungen mit heilenden Pollen füllt und deinen ganzen Körper in goldenem Licht erstrahlen lässt.

Mit einem lächeln setzt du dich auf und schaust um dich herum, fühlst Dankbarkeit für all die wunderschönen Knospen, noch unwissend darüber, dass du selbst eine in dir trägst.


Welche Farbe hat sie? Was möchte sie der Welt schenken?


In Liebe, das Leben



- von Melissa Froemel -

 






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